Unsere Herbstwanderfahrt

Unsere kleine Truppe startete diesmal von Zehdenick- Alter Ziegeleipark Mildenberg. Im Alten Hafen wurde zunächst das Boot, der Dreier mit Steuermann war zum Doppelvierer ohne Steuermann umgebaut, fertig gemacht. Anschließend gab es einen gemütlichen Abend in der hiesigen Gaststätte. Übernachtet wurde in einem Fass wo auch das Frühstück eingenommen wurde.

 

Wir fuhren die erste knapp 50 Kilometer lange Tagesetappe zunächst auf der Havel und dem Voßkanal. In Liebenwalde bogen wir auf die älteste künstliche Wasserstraße Deutschlands, dem Finowkanal, ab. Er durchzieht das Finowtal ebenso wie das Eberswalder Stadtgebiet. Der von Kurfürst Joachim Friedrich angeordnete Bau des Kanals (1605 – 1620) verband die Oder mit der Alten Havel. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Bauwerk völlig zerstört. Größere Veränderungen ergaben sich nachdem Friedrich II 1743 anordnete, den Finow-Kanal wieder zu erbauen. Ab 1765 wurden Kolonisten angesiedelt. So entstanden die Kolonie „Berg“ und im Norden die Kolonie „Kienitz“. Den holländischen Baustil erkennt man auch heute noch an zahlreichen Häusern.


Nach der 1914 erfolgten Inbetriebnahme des nicht weit entfernt gelegenen Hohenzollern-Kanals, des heutigen Oder-Havel-Kanals, sank die Bedeutung des Finowkanals rapide. Die in Zerpenschleuse gelegenen Schleusen wurden zugeschüttet, die ehemaligen Zugbrücken abgerissen und durch Dämme ersetzt. Der „Lange Trödel“ war geboren, denn das stehende Gewässer innerhalb des Finow-Kanals, von Zerpenschleuse bis Liebenwalde, wurde nun so genannt. Vom Finowkanal bogen wir kurz vor der Ruhlsdorfer Schleuse in den Webellinkanal ab. Dieser Teil war lange verschüttet und ist erst seit 2011 wieder befahrbar. Auf dem Oder-Havel-Kanal mussten wir noch 15 Kilometer bis zum Kanu Bootshaus von Empor Eberswalde. Dabei bildeten die riesigen Wassertore einen imposanten Eindruck. Da der Kanalwasserspiegel teilweise über dem angrenzenden Gelände liegt, sollen diese bei Dammbruch ein Auslaufen des Kanals verhindern.

Am nächsten Morgen wurde die Weiterfahrt durch eine kleine aber lustige Einlage von Elke verzögert.

Weiter ging es dann die wenigen Kilometer zum 1927–1934, als Ersatz für die Schleusentreppe Niederfinow, gebauten Schiffshebewerk Niederfinow. Mit einer Hubhöhe von 36 Metern war es zur Bauzeit der weltweit größte von einem Hebewerk bewältigte Höhenunterschied.

 

 
Am Abzweig Finowkanal ging es zurück nach Eberswalde. Dabei musste der Höhenunterschied über 12 historische Schleusen überwunden werden. Trotz der freundlichen Unterstützung der Schleusenmeister schafften wir nur noch acht Aufstiege am zweiten Rudertag. Am dritten Tag schleusten wir als erstes in Schöpfurt. Nach drei weiteren Schleusungen hatten wir die 36 Meter Höhenunterschied geschafft und konnten über den Werbellinkanal in Richtung Werbellinsee fahren.

Beim letzten schleusen in Eichenhorst, fing es erstmals mit leichtem Nieselregen an. Zum Glück war gleich wenige Meter weiter eine Anlegemöglichkeit und wir konnten im Wirtshaus Wisent speisen.
Nachdem wir einige Zeit verbrachten und es schien, es hört nicht wieder auf mit regnen, beschlossen wir die letzten vier Kilometer in Angriff zu nehmen. Kaum saßen wir im Boot, hörte es auf zu regnen. So fuhren wir noch hinaus auf den Werbellinsee.
Der letzte Rudertag führte uns vom Werbellinsee zurück über den Oder-Havel-, zum Finowkanal, Langer Trödel zur Marina in Liebenwalde. Hier gab es die letzte Stärkung bevor es über den Voßkanal und Havel zurück zum Alten Hafen in Mildenbeg ging.
Boot reinigen, verladen klappte problemlos, so dass nach kurzer Zeit die knapp zwei stündige Heimreise angetreten werden konnte.

Eine sehr schöne Fahrt, mit vielen neuen und interessanten Einblicken in die historische Vergangenheit. Nicht nur der Finowkanal mit dem Schiffshebewerk Niederfinow sowie die vielen Industriedenkmale waren Höhepunkte. Auch dass man sehr oft über dem angrenzenden Land ruderte war ein bleibendes Erlebnis. Von dem Höhenunterschied ganz zu schweigen. Mit abwärts- und hinaufschleusen waren es fast 100 Höhenmeter die wir zu überwinden hatten.
Eine sehr angenehme Rudergruppe mit „unserer“ Perle als Unterstützung an Land, da freut man sich schon auf die nächste Tour. Schulle hat super gesteuert und ich danke Beate für die „fast“ perfekte Organisation und dass ich an dieser Fahrt teilnehmen konnte.

Text: Axel Zehrfeld, RV Dessau,  Fotos: Axel Zehrfeld, Beate Gädeke


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